Gleichstellungsbeauftragte Landkreis Stade

Anne Behrends

Tel.: +49 (0)4141 12 1005

Aktuelles

Zwangsprostitution und prekäre Lebenslagen
Solwodi berichtet über Arbeit der Beratungsstelle

Zwei Mitarbeiterinnen der Beratungsstelle Solwodi in Osnabrück waren am 22. März auf Einladung der Gleichstellungsbeauftragten des Landkreises Stade zu Gast im Kreishaus in Stade. Diese Beratungsstelle berät, betreut und begleitet Prostituierte in kritischen Situationen, sie bietet Sprachkurse für die Frauen an, die kein Deutsch sprechen, und sie hilft Prostituierten vor allem beim Ausstieg aus der Prostitution.

Dargestellt wurde, wie der Menschenhandel geschieht, nämlich durch Anwerbung im Heimatland mit gut klingenden Versprechungen. Für den Transport nach Deutschland wird der Frau das Versprechen abgenommen, dass sie die Beförderung hinterher zahlen kann, wenn sie das Geld dazu verdient. In Deutschland angekommen, landen die Frauen in den Bordellen oder anderen Einrichtungen, für die sie gefügig gemacht werden. Das geschieht durch Gewalt, Nötigung, Täuschung und vor allem durch das Ausnutzen ihrer Hilflosigkeit oder auch direkt durch Einsperren. Die bei der Ankunft auf diese Weise bereits hoch-verschuldeten Frauen haben dann keine Wahl, sie müssen für ihre Zuhälter bzw. Menschenhändler anschaffen gehen. Die hohe Verschuldung, aber auch die menschen-verachtende Prostitution und die Drohungen der Peiniger lösen bei den Betroffenen schwere Traumata aus, die sie nicht selten in psychische Abhängigkeiten treiben. Kaum eine Prostituierte schafft es, heil aus den Fängen der Zuhälter und des Milieus zu entkommen. Dafür brauchen die betroffenen Frauen professionelle und kontinuierliche Hilfe.

Die meisten Prostituierten kommen über die Polizei oder über andere Beratungsstellen zu Solwodi. Auf die Nachfrage an dem Abend, ob denn das relativ neue Prostituiertenschutz-Gesetz nicht greife, antworten beide Beraterinnen, dass sie seit dem Inkrafttreten dieses Gesetzes keine Veränderungen wahrgenommen hätten. Nach wie vor sind die meisten Prostituierten den Schikanen ihrer Zuhälter ausgesetzt, sie leben nicht freiwillig in unserem Land, sondern sie sind aus Armut und Verzweiflung in die Hände der Menschenhändler gefallen und nach Deutschland verschleppt und verkauft worden, wie Sklavinnen auf einem Sklavenmarkt. Aber es sind nicht nur die jungen Mädchen aus Drittstaaten, genauso kann es deutsche Mädchen treffen, die den so genannten Loverboys verfallen und über sie in die Prostitution genötigt werden.

In der anschließenden Diskussion waren sich die anwesenden Gäste einig, dass die Prostitution ein menschenunwürdiges, frauenverachtendes System in unserer Gesellschaft ist, das existiert, weil Tausende und Abertausende von Männern bereit sind, für seinen Fortbestand zu bezahlen. Zudem ist das System Prostitution ein Umschlagplatz für mehrere Milliarden Euro jährlich, auch der Staat profitiere davon.

Einig waren sich die Anwesenden außerdem, dass es eine europaweite Lösung für ein Verbot der Prostitution geben sollte. Das Prostitutionsverbot nach schwedischem Vorbild, das auch nordische Modell genannt, wie es derzeit schon in Schweden, Norwegen, Island, Kanada, Nordirland, Frankreich und Irland ausgeübt wird, ist erfolgversprechend, weil es den Fokus auf die nachfragende Seite legt und die Sexkäufer kriminalisiert, nicht aber die Prostituierten.

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