Gleichstellungsbeauftragte Landkreis Stade

Anne Behrends

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Aktuelles

Brief von CAP International an UN-Generalsekretär - COVID-19-Nothilfeplan Insbesondere Prostitutierte brauchen Schutz - Brief im Wortlaut

Sehr geehrter Herr Generalsekretär,

im Namen der Unterzeichnenden – Überlebende der Sexindustrie, Hilfezentren für Betroffene und Frauen- und MenschenrechtsaktivistInnen mit dem gemeinsamen Ziel, dem Menschenhandel zum Zwecke der sexuellen Ausbeutung sowie der Prostitution von Frauen und Mädchen in ihren jeweiligen Ländern und weltweit ein Ende zu setzen – haben wir die Ehre, Ihnen dieses Schreiben zu überbringen.

Wir schätzen Ihre Bemühungen, die Auswirkungen der COVID-19-Pandemie auf Frauen und Mädchen hervorzuheben, und begrüßen Ihre Forderung, den weltweiten Anstieg häuslicher Gewalt im Zusammenhang mit den Lockdowns anzugehen. Mit diesem Schreiben möchten wir Sie auffordern zu gewährleisten, dass Opfer von Menschenhandel, Prostitution und sexueller Ausbeutung in den COVID-19-Nothilfeplan der UN einbezogen werden.

COVID-19 offenbart die sozioökonomischen strukturellen Ungleichheiten der Welt und das Scheitern von Sparmaßnahmen; es zeigt deutlich, wie Krisen die Verwundbarkeit benachteiligter Menschen verschärfen. Prostituierte Personen, darunter Opfer von Menschenhandel und sexueller Ausbeutung, in der Mehrzahl Frauen und Mädchen, sind von der Pandemie überproportional betroffen. Die Vereinten Nationen dürfen sie nicht zurücklassen.

Das Leben prostituierter Menschen wurzelt häufig in strukturellen Ungleichheiten, sexueller und geschlechtsspezifischer Gewalt, Diskriminierung, Armut, Vertreibung, Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Systemversagen – welche die Pandemie aufgedeckt und noch verstärkt hat. Der Ausbruch von COVID-19 macht Prostituierte in weitaus stärkerem Maße anfällig für neue Formen des Missbrauchs und erhöht die Armut, da ihnen Sicherheitsnetze fehlen. Täglich erhalten wir Berichte, dass Frauen in der Prostitution durch ihre verzweifelte Not zu überleben belastet sind, wenn ihnen oder ihren Kindern keine Nahrung, keine sichere Unterkunft oder medizinische Hilfe zur Verfügung stehen. Sie sind zudem in Gefahr, erneut Opfer von Menschenhandel und sexueller Ausbeutung zu werden mit allen damit verbundenen physischen, psychischen und lebensbedrohlichen Schäden, einschließlich eines erhöhten Risikos, COVID-19 zu bekommen. Ihr Zugang zu unterstützenden Strukturen und Ausstiegshilfen ist zunehmend eingeschränkt, wenn er denn überhaupt existiert.

Wir dokumentieren auch Berichte über eine verstärkte Online-Ausbeutung von Frauen und Kindern, unter anderem durch einen Anstieg der Nutzung pornografischer Webseiten und anderer Ausbeutungsinstrumente im Netz. Während Männer online gehen und nach kontaktlosen Möglichkeiten zur sexuellen Befriedigung suchen, schließen sie sich sexuellen Missbrauchstätern und Profiteuren an, die bereits das Internet nutzten, um Frauen und Kinder in einem noch nie dagewesenen globalen Ausmaß auszubeuten und zu missbrauchen. Inmitten der COVID-19-Pandemie bedeuten Anonymität und die ständig zunehmende Konnektivität durch das Internet, das im derzeitigen Umfeld nicht von Menschen überwacht wird, dass immer mehr Frauen und Kinder, insbesondere heranwachsende Mädchen, anfällig sind für Grooming, sexuelle Ausbeutung im Netz und Sextortion, was dann zum Menschenhandel zum Zwecke der sexuellen Ausbeutung führt.

Unsere gemeinsame Verpflichtung, sicherzustellen, dass Opfer von Menschenhandel, Prostitution und sexueller Ausbeutung, die überwiegend aus Frauen und Kindern bestehen, angemessen geschützt und unterstützt werden, ist sowohl entscheidend als auch dringend notwendig. Wir fordern Ihr Büro auf, einen globalen Fonds für Menschen einzurichten, die im Sexgewerbe ausgebeutet werden, damit sie Zugang zu umfassenden Dienstleistungen erhalten können. Der Fonds würde zunächst den unmittelbaren und kurzfristigen Bedürfnissen dieser Personen entsprechen, sich jedoch auch auf die Bereitstellung von Ausstiegshilfen für jene konzentrieren, welche die Systeme der sexuellen Ausbeutung verlassen möchten. Dieser Fonds muss auch allen Frauen zugänglich sein, die aufgrund von Anklagen im Zusammenhang mit der Prostitution inhaftiert sind. Schließlich sollte dieser Fonds Bemühungen, Organisationen oder Netzwerke unterstützen, die im Einklang mit internationalem Recht und Menschenrechtsprinzipien versuchen, die strukturellen Ungleichheiten zu beseitigen, welche Frauen in die Prostitution treiben, statt ein System zu etablieren, in dem Frauen und Mädchen ausgebeutet werden. Das Ziel des Fonds sollte darin bestehen, Menschen zu unterstützen und zu fördern, die im weltweiten milliardenschweren Sexgewerbe gekauft und verkauft werden – nicht aber ihre Profiteure oder Ausbeuter, die sexuelle Ausbeutung als eine Form der Arbeit betrachten. Darüber hinaus fordern wir Sie auf, die Bekämpfung sexueller Ausbeutung im Netz zu einer Priorität zu machen als Teil Ihrer Bemühungen, die Auswirkungen der Pandemie einzudämmen.

Wir danken Ihnen für Ihre Führungsrolle bei der Förderung der Rechte von Frauen und Mädchen und stehen gern weiterhin zu Ihrer Verfügung, um die in diesem Brief angesprochenen Probleme zu erörtern.

Kontaktadressen:

yhassan@equalitynow.org

tbienaime@catwinternational.org

 Hochachtungsvoll

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